„Der Verbraucher kann sich freuen“

Diesen Unsinn schreiben tatsächlich einige Redakteure, ohne weiter nachzudenken. Es geht um die Milchpreise, Aldi senkt erneut die Preise für Milch. Jetzt unter 50 Cent. Dumm dabei ist nur, dass die Milchbauern ca. 40 Cent pro Liter brauchen, um überleben zu können, also wirtschaftlich zu arbeiten.

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Die Milch kommt von der Kuh. Und nicht aus der Aldi-Tüte.

Großmolkereien und Einzelhandelskonzerne nutzen die Überproduktion brutal aus und quetschen die Milchbauern aus. Die Lehre für Politik und Gesellschaft? Offenbar keine. „Wachsen statt Weichen“, das Mantra und der Glaubensgrundsatz der meisten Bauernverbände, erweisen sich wieder einmal überdeutlich als falscher Weg. Fakt ist: jahrelang wurde weit über den Bedarf hinaus produziert – für Märkte u.a. in Russland und China. Beide Märkte waren nicht stabil bzw. für Russland gibt es Handelsbeschränkungen. Wäre alles nicht so schlimm, doch reflexartig wird nach staatlicher Hilfe gerufen, wenn Bauern in ihrer Existenz bedroht sind.

Auch das ist zunächst verständlich, wenn dann endlich mal Vernunft einkehren würde. Tut es aber nicht. Am Ende zahlt der Steuerzahler die Zeche. Und subventioniert damit Aldi & Co., die mit Lockangeboten wie Billigmilch (und häufig auch Billigfleisch) Kunden in die Läden zieht. Dort verkaufen sie dann – übrigens mit satter Gewinnspanne – allen möglichen anderen Mist, den eigentlich kein Mensch wirklich braucht. Aber bei der Milch, da haben sie gespart, die Verbraucher. Toll.

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Nicht nur die Agrarpolitik, auch die Verbraucher bestimmen, wo es lang geht. Wenn das Billigfleisch in den Kühlregalen liegen bleibt, ändert sich was. Jeder kann was tun – und wenn es nur das „Nicht-Kaufen“ ist. 

Nur die Agrarindustrie wird so gefördert: Massentierhaltung, Futtermittelimporteure, Großmaschinenhersteller und natürlich die Chemieindustrie (Monsanto, Bayer u.a.). Es ist eine (un-) heilige Allianz mit starker Lobby, die in Berlin ein- und ausgeht nach Belieben. Verlierer sind eigentlich nur die Tiere, die in Riesenhallen eingepfercht sind. Die Umwelt, deren Boden und Luft verschmutzt wird. Ach ja, und der Verbraucher. Aber der kann sich ja angeblich freuen…

Tag der Erde in Kassel. Wir sind dabei!

In 175 Ländern auf der ganzen Welt wird der Earth Day veranstaltet. Der Tag der Erde in Kassel ist die bundesweit größte und bunteste Veranstaltung zu diesem Tag. Er soll mahnen, dass unser blauer Planet viel besser geschützt werden muss. Und er soll daran erinnern, dass auch Verbraucher eine große Verantwortung haben.

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Beides ist unser Dauerthema: Die Massentierhaltung zählt heute mit ihrer Infrastruktur (Futtermittelproduktion, Gentechnik, Gülle) zu den bedeutenden Verursachern des Klimawandels, man könnte auch direkt sagen: Industrieartige Mastställe sind Klimakiller. Nordhessen mit seinem riesigen Geflügelschlachthof in Gudensberg (37,5 Mio. Tiere pro Jahr!!) verändert sich leider mehr und mehr zu einem Zentrum dieser fatalen Entwicklung.

Das mag für informierte Menschen nichts Neues sein – und muss dennoch immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden. Darum sind wir auch wieder beim Tag der Erde in Kassel vertreten, der diesmal in der neu gestalteten Friedrich-Ebert-Straße vom Ständeplatz bis zur Querallee stattfindet.

Sonntag, 24. April 2016 von 11 bis 18 Uhr

Wir befinden uns in guter Gesellschaft. Unser Stand an der Ecke Friedrich-Ebert-/Weißenburgstraße (Stand Nr. 45) hat mit ProVieh, der Albert-Schweizer-Stiftung, Ärzte gegen Tierversuche und vielen anderen Projekten Nachbarn, die wie wir für Tierschutz, eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten kämpfen.

Wir freuen uns auf interessante und gute Gespräche mit Ihnen.

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Besuchen Sie uns am Stand!

BI erweitert Treffpunkte und Arbeitskreise

Schon bald nach Gründung der Bürgerinitiative hat sich gezeigt, dass ein großes Forum aller Aktiven wichtig ist. Allerdings lässt sich nicht jede Aktivität, Planung und Arbeit in einer großen Runde bewältigen. Deshalb sind mittlerweile Unterstützer, die teilweise auch nicht Vereinsmitglied sind, in kleineren Gruppen tätig.

Das bisherige monatliche Plenumstreffen für Alle wird nun erweitert und heißt ab sofort „BI-Stammtisch“. Damit einher geht eine neue Form der Abendgestaltung: In den ersten 30 Minuten wird jeweils ein Gast aus dem Bereich Landwirtschaft Interessantes und Wissenswertes berichten und diskutieren. Danach tauschen sich Mitglieder und UnterstützerInnen über geplante Aktionen aus wie z.B. die Teilnahme am Tag der Erde in Kassel. Gäste sind immer willkommen und gehen keine Verpflichtung ein. Auch wer bei einer einzelnen Aktion mitmachen möchte, kann sich so schon im Vorfeld einbringen. Geplant sind für den BI-Stammtisch wechselnde Lokalitäten.

Der erste BI-Stammtisch findet am Mittwoch, 6. April 2016 im „Haus an der Eder“ (ehemals Soldatenheim) Fritzlar, Wabener Straße 7, statt. Beginn ist 19 Uhr. Als Gast begrüßen wir den Landwirt Ralf Krug aus Beuern, der sog. „faire Milch“ produziert. Dabei wird auf gentechnikfreies Futter und hohen Grasanteil gesetzt. Die Kühe geben im Jahresdurchschnitt weniger Milch als bei konventioneller Fütterung. Ein längeres Leben der Tiere und weniger Tierarztbesuche sind sichtbar positive Folgen. Dass sich diese Art der Tierhaltung auch wirtschaftlich lohnt, wird Herr Krug berichten und natürlich auch auf Fragen eingehen.

Herzlich eingeladen sind alle Menschen, die für den Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft und gegen die Massentierhaltung sind. Der Eintritt ist frei.

Aufruf zum Wahlgang am 6. März

Am Sonntag, 6. März 2016, werden in Hessen Gemeindeparlamente und der Kreistag gewählt.

Warum sollten Sie unbedingt zur Wahl gehen?

Mehr als man denkt bestimmt die Kommunalpolitik auch die „große“ Politik. Und das betrifft ganz besonders die Entwicklung der Städte und Gemeinden auf dem Land, also auch den Chattengau.
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Woran kann man KandidatInnen „messen“?

Für uns als BI ist die zentrale Frage: „Wie halten Sie es mit der Massentierhaltung?“ Manche KandidatInnen sind selbst Stallbetreiber und da lohnt es schon, die Frage nach Tierwohl und Umweltschutz zu stellen. Alle PolitikerInnen aber haben durchaus auch Einfluss auf die Genehmigung von neuen Massentierställen. Eine Veränderungssperre ist nur ein Instrument. Oft reichen schon deutliche Signale, dass noch mehr Ställe in Anbetracht der Überproduktion und Umweltbelastung nicht erwünscht sind, um mögliche Investoren zur Einsicht zu bringen.

Frage also: „Sollen Bürger zukünftig stärker einbezogen werden, wenn Genehmigungsverfahren anstehen?“ Viele haben noch den versuchten Bürgerentscheid in Gudensberg in Erinnerung. Der wurde nicht genehmigt, weil man sich auf einen 5 Jahre alten Aufstellungsbeschluss bezog. Frage: „Ziehen Sie sich als Politiker auf verwaltungsrechtliche Formalien zurück oder wollen Sie den mehrheitlichen Bürgerwillen vertreten?“

Bei der Kommunalwahl kann man einzelne Personen wählen, muss also sein Kreuzchen nicht bei einer „anonymen“ Parteiliste machen. Darum: Nutzen Sie Ihr Wahlrecht! Jede Stimme zählt.

Was die Versprechungen der Agrarindustrie wert sein. Am Beispiel Plukon.

Für einige Gudensberger Bürger reichte das Versprechen, dass neue Filteranlagen installiert werden in Hessens größtem Geflügelschlachthof. Dass mit der „Modernisierung“ der Anlagen auch eine Verdoppelung der Schlachtkapazität (von 125 Tonnen auf 250 Tonnen täglich!) verbunden war, wurde gerne heruntergespielt.

Doch nun hat das Regierungspräsidium Kassel geprüft, denn der Gestank ist weiterhin da. Dabei wurde „nebenher“ bemerkt, dass in der Tierfutter-Produktion unzulässig viel hergestellt wird – sie wurde deshalb vorübergehend stillgelegt.

Mitgeteilt wurde das von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (GRÜNE) bei einer Info-Veranstaltung am 22.1.2016 in Gudensberg. Hier ein Video mit der entsprechende Passage der Rede: https://youtu.be/2uqpjG3xVnA

Heute, am Dienstag (26.1.2016) ist die BI-Stellungnahme in der HNA abgedruckt, um 16:45 Uhr wird ein Beitrag in der Hessenschau kompakt gesendet.

All das ist auch ein Ergebnis der immer wieder kritischen Nachfragen von Bürgerinnen und Bürgern – und sicher auch unserer Bürgerinitiative. Die Plukon-Story ist noch nicht zu Ende geschrieben….

(K)ein Jahresrückblick

So kurz vor Weihnachten gibt es Jahresrückblicke im Dutzend. Wir schauen dagegen auf Gudensberg und unsere letzte Demo im September. Einfach hier klicken: https://youtu.be/9CH82T709_Q

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Und wer heute schon gute Vorsätze hat fürs neue Jahr: Jede/r kann jederzeit bei uns mitmachen. Unser nächstes Treffen ist am 6. Januar 2016 um 19 Uhr im Bürgertreff (Obertor 2) in Niedenstein.  

Klimakiller Massentierhaltung

„Der Klimawandel nimmt beängstigend Fahrt auf. Von nachhaltigem Umgang mit den Lebensgrundlagen ist kaum noch die Rede. Wir erwarten vom Klimagipfel in Paris einschneidende Maßnahmen zum Schutz der Lebensgrundlagen. Das funktioniert nur durch sehr achtsame Nutzung der Grund-Ressourcen: biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft.

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Die Agrar-Industrie ist ein Hauptverursacher des Klimawandels. Gerade durch die sog. Massentierhaltung entstehen erhebliche Mengen an Treibhausgasen. In Wohlstandsländern tragen die Tierprodukte vermutlich weit mehr als 20% der Treibhausgase bei, sofern man die im Ausland durch Futtermittelproduktion, Dünger und die dafür notwendige Änderung der Flächennutzung entstehenden Gase berücksichtigt.

Das bei der Verwendung von synthetischem Stickstoffdünger frei werdende Lachgas (N2O) leistet den größten Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel (Europäisches Stickstoffassessment 2011): Lachgas ist mehr als 300mal so klimarelevant wie CO2!

In Deutschland betrug laut Umweltbundesamt der Beitrag der Tierproduktion zu den Treibhausgasen 2010 zwischen 16% und 21%, dabei sind die durch den Futtermittelanbau im Ausland erzeugten CO2-Äquivalente noch nicht berücksichtigt. Weltweit werden nach dem Weltagrarbericht (IAASTD, 2010) für die Tierproduktion 18%, nach einer FAO-Studie (2015) 14,5% vermutet.

Der Weltagrarbericht wurde im Auftrag der Weltbank von sieben Organisationen der Vereinten Nationen (UN) und mehr als 400 Experten aus aller Welt vier Jahre lang erarbeitet.

Bearbeitet wurde erstmals die Frage, welche Rolle die Ausrichtung der Agrarforschung und –lehre für die Übernutzung, Vergeudung, Verschmutzung und Zerstörung natürlicher Ressourcen spielt. Das Ergebnis der Untersuchung war, dass Forschung und Lehre überwiegend Teil des Problems sind, statt Teil der Lösung zu sein. Als Lösung für die Zukunft wird eine nachhaltige Landwirtschaft gesehen: Besonders nachhaltig und klimaverträglich ist ökologische Kreislaufwirtschaft, die am besten in kleinräumigen, regionalen Landwirtschaftsstrukturen verwirklicht werden kann.“

Zitiert aus dem Positionspapier von Tierärztinnen und Tierärzten des Forums für verantwortbare Landwirtschaft zum Weltklimagipfel. Hervorhebungen durch Redaktion.

Wasser. Was machen wir mit unserem Lebenselixier?

Es sind ein paar harte Fakten, die jedem denkenden Menschen die Zornesröte ins Gesicht treiben:

Deutschland hat die höchste Nitratbelastung des Wassers in der gesamten EU!

Obwohl Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen reichlich vorhanden sind, um den notwendigen Stickstoff in den Boden zu bringen, ist es günstiger, künstlichen Mineraldünger zu verwenden. I

Die neue Düngeverordnung der Bundesregierung verspricht zahlreiche Ausnahmen zur Freude der Agroindustrie.

Gewässerbelastung ging früher vor allem von der Industrie aus, heute ist es die Landwirtschaft und besonders die sog. Intensivtierhaltung mit Massen von Gülle, die unser Grundwasser verseucht.

Der vorgeschriebene Grenzwert von 50 mg Nitrat/Liter wird vielerorts massiv überschritten. Besonders auch in unserem Nachbarland Niedersachsen in den Hochburgen der Massentierhaltung. Eine Karte (PDF) kann man hier anschauen und herunterladen.

Ein interessanter, 10minütiger Beitrag vom Sept. 2015 bei frontal21 ist in der ZDF-Mediathek zu finden.

Wasser ist einer von vielen Aspekten, weshalb es sich lohnt, sich gegen Massentierhaltung zu wehren. 

Der Stall vor meiner Tür – Machen Sie mit!

Zunehmend wird Nordhessen zum Ausweichstandort der Massentierhaltung, nachdem in Niedersachsen so gut wie nichts mehr geht. Die industrielle „Produktion“ von Fleisch hat insgesamt, aller Vernunft zum Trotz, längst eine bedenkliche Größenordnung erreicht.

Verlässliche Zahlen werden von den Behörden entweder nicht erhoben oder unter Hinweis auf den Datenschutz nicht veröffentlicht. Deshalb startet die Bürgerinitiative Chattengau gegen Massentierhaltung e.V. jetzt eine Aktion, bei der alle Bürgerinnen und Bürger der Region aufgerufen werden, einen Beitrag zu einer Dokumentation zu leisten: Der Stall vor meiner Tür.

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Niemand soll an den Pranger gestellt werden. Wir wollen lediglich zeigen, in welcher Dichte bereits – häufig von der Straße aus nicht zu sehen – Mastställe in Nordhessen entstanden sind. Jeder kann Fotos einsenden an staelle@bi-chattengau.de. Auf jeden Fall muss der Standort vermerkt sein, erwünscht sind auch, wenn möglich, Angaben zur Größe sowie Art und Anzahl der Tiere. Wir bitten um verlässliche Daten.

Wir betonen nochmal: Wir sind weder gegen konventionelle und schon gar nicht gegen Bio-Höfe, die im vernünftigen Umfang wirtschaften. Massentierhaltung beginnt da, wo Ställe in die Prozesskette der Agrarindustrie (Merkmale sind u.a. Futtermittelimporte im großen Umfang, Turbo-Masttiere, Umweltzerstörung) integriert sind.

Geplant sind eine Ausstellung und eine Dokumentation. Kontakt über staelle@bi-chattengau.de

Widerstand gegen TTIP überall

Nach ersten Meldungen (Zeit online) waren über 200.000 Menschen in Berlin auf der Straße, um gegen die Freihandelsabkommen zu protestieren! Für unsere BI ist klar: TTIP & Co. stärken in erster Linie die Agrarindustrie. Auch wenn Siggi Gabriel in ganzseitigen Zeitungsanzeigen Verständnis mimt: Dieses Abkommen ist und bleibt eine ernste Gefahr für alle Bestrebungen, bäuerliche Strukturen zu erhalten und die Profitgier der Investoren zu zügeln.

In Kassel fand eine der zusätzlichen dezentralen Demos statt.

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Gut 1.500 Menschen marschierten vom Bebelplatz zur Kundgebung in die Innenstadt.

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Ein tolles Musikprogramm und Infostände des Nordhessischen Bündnis „Freihandelsabkommen stoppen“ gaben dem Königsplatz mal eine ganz andere Note.

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Auch unsere BI informierte über die zunehmende Zahl von Massentierställen in Nordhessen, was vielen Stadtbewohnern gar nicht bewusst ist.

Danke an die Organisatoren und die HelferInnen vor Ort.