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Milchgipfel – kein Plan, keine Perspektiven. Agrarindustrie kann zufrieden sein.

Allseits bekannt: Milchbauern bekommen teilweise weniger als 20 Cent pro Liter von den Molkereien, brauchen aber fast das Doppelte, um wirtschaftlich zu überleben. Weiß auch Landwirtschaftsminister Schmidt (CSU). Also lud er diese Woche zum Milchgipfel und versprach wie angekündigt Hilfen für 100 Millionen Euro, darunter auch Kredite für notleidende Betriebe. Klingt gut, bringt aber nicht wirklich viel. Sollen sich notleidende Höfe noch mehr verschulden? Wenn es nicht mehr geht, heißt es aufgeben. Und die Konzentration in der Landwirtschaft schreitet weiter voran. Doch wie meinte Schmidt so offenherzig: Der Staat könne nicht gegen die freie Marktwirtschaft agieren. Ach so. Dabei wäre Mengenbegrenzung der Produktion der einzig richtige Weg. Wäre aber nur sinnvoll europaweit. Doch in Brüssel wird das blockiert. Von wem? Richtig, von den Vertretern der deutschen Bundesregierung.

Milchpreise-Gipfel

Seit April 2015 hat Brüssel die Milchquote auch auf Initiative der Bundesregierung und des Deutschen Bauernverbands ganz aufgehoben. Die Produktionsmenge in Europa wuchs um 3,8% bzw. absolut um 6 Millionen Tonnen, das sind etwa 10 % der weltweit gehandelten Menge. „Der Markt“, also Finanzjongleure und Spekulanten, hatten eine weltweite höhere Nachfrage vorhergesagt. Stimmte nicht, Russland-Embargo und Selbstversorgung in China waren nicht bedacht. Aber die Großinvestoren verdienen bekanntlich auch an Pleiten.

Über 70.000 Betriebe produzieren Milch im ländlichen Raum. Sie prägen das Bild unserer Landschaft. Noch. Wollen wir wirklich noch mehr Megaställe? Angeblich, weil es „der Markt“ so will? Jetzt soll also der Verbraucher herhalten oder vorgelagert der Einzelhandel? Natürlich sollte jeder Verbraucher nicht gedankenlos zur Billigmilch greifen und damit auch für die Einkäufer des Handels ein Zeichen setzen. Doch so einfach ist es wohl kaum. Es ist wieder einmal eine Grundsatzentscheidung: Freies Spiel der Kräfte laufen lassen oder vernünftige Regulierung? Fest steht: nur eine Begrenzung der Produktion kann die Höfe retten. Wohlgemerkt Höfe, und nicht industrielle Megabetriebe.

Wie könnte denn Mengenreduzierung außerdem jenseits staatlicher Regulierung funktionieren? Zum Beispiel, in dem weniger Kraftfutter und mehr Heu verfüttert wird. Würde laut Bundesverband Deutscher Milchviehhalter bereits eine Reduzierung von bis zu 3 % bringen. Der Verband forderte: „Wenn den Bauern Geld zur Verfügung gestellt wird, dann muss es an die Bedingung geknüpft werden, dass sie weniger produzieren.“ Passt aber einfach nicht in das Weltbild des Bundeslandwirtschaftsministers. Der Verband war nicht eingeladen in Berlin. Die Lobbyisten der Agrarindustrie werden es ein weiteres Mal wohlwollend zur Kenntnis nehmen.