„Fleisch für die Welt“? Neue Großställe verhindern!

Der Fleischkonsum in Deutschland ist seit 10 Jahren leicht rückläufig. Der Export, also die Ausfuhr von Fleisch aus Deutschland, hat sich dagegen verdreifacht! Wie kann so etwas sein? Eine Antwort liegt im globalisierten Markt. Wachstum um jeden Preis, Niedrigpreise für den Wettbewerb. Was so schön klingt in den Ohren von Wirtschaftsliberalen, hat viele Haken.

Opfer einer volkswirtschaftlich falschen Politik sind zuallererst die Landwirte – oder auch die Tiere, je nach Sichtweise. Weil die Preise am Fleischmarkt im Keller sind, wird immer mehr produziert. Billig ist das Zauberwort der Massentierhaltung. Die Europäische Union und auch die Bundesrepublik fördert diese Entwicklung indirekt und auch direkt durch Milliardenzuschüsse. Dennoch geht es den Landwirten schlecht, immer mehr Betriebe geben auf.

Doch die „Interessenvertretung“ der Landwirte, der Bauernverband, ist zu einem Lobbyverband der Agrarindustrie verkommen. Spitzenfunktionäre des Bauernverbands sind oft Großgrundbesitzer und sind meist auch an Firmen für Futtermittel, Dünger und/oder Landmaschinen beteiligt. Diese wiederum spielen eine zunehmende Rolle für globale Investmentfirmen. Und die setzen weder auf Tierschutz, Umwelt, Natur, Gesundheit… sondern eben auf Wachstum.

keine-Tierfabriken

Was das mit Nordhessen zu tun hat? Nun, unser Nachbarland Niedersachsen zeigt, wie es nicht sein sollte. Wer sich über die unmittelbaren Auswirkungen der Massentierhaltung informieren will, dem sei ein Ausflug in die Gegend um Cloppenburg empfohlen. Die Region gleicht einer Industriebrache. Großschlachthöfe reihen sich an Mastställe, die meisten Betriebe produzieren zu über 50 % für den Export.

In Gudensberg haben wir den Geflügelgroßschlachthof Plukon (ein niederländisches Unternehmen, das nach eigenen Aussagen wegen der niedrigeren Umweltauflagen gerne in Deutschland produziert!). Der Schlachthof braucht Tiere, genauer gesagt 100.000 Tiere pro Tag, 32 Millionen Tiere pro Jahr! Und so werben Plukon, Futtermittelhersteller (3best Geflügelfutter) und leider auch der Bauernverband für den Neubau von Geflügelställen.

Nordhessen wird damit langsam aber sicher zum Ausweichstandort für Niedersachsen, wo nichts mehr geht. Massentierhaltung, vom Bauernverband gerne „moderne Intensivtierhaltung“ genannt, hat weitreichende Folgen auch für Mensch und Natur: bereits jede 7. Grundwasserquelle in Hessen hat eine zu hohe Nitratbelastung, u.a. eine Folge der Unmegen von Gülle, die auf Äcker ausgebracht werden. Multiresistente Keime aus den Großställen werden zur gesundheitlichen Bedrohung. Schädliche Treibhausgase belasten das Klima.

Global gesehen ist der Export von deutschem Fleisch, meist nach Asien und Afrika, ein Skandal. Vielen regionalen Kleinbauern wird dort die Existenzgrundlage entzogen. Umgekehrt landet viel wertvolle Nahrung wie Soja und Mais aus Lateinamerika in den Futtertrögen unserer Ställe.

Irgendwo müssen wir anfangen, etwas zu verändern. Der ökologische Landbau boomt, die Nachfrage nach Bio ist größer als das Angebot. Dennoch wird den Landwirten eingeredet, sie müssten weiterhin wachsen, um noch billiger zu produzieren. Dies ist nicht zukunftsorientiert. Aktuell hat bspw. China erklärt, es wolle seinen Fleischkonsum halbieren.

Als Bürgerinitiative unterstützen wir die bäuerliche Landwirtschaft – und sagen Nein zu Großmastanlagen, die den Tieren Leid und den Menschen gesundheitliche Risikien bringen. Deshalb haben wir jetzt auch eine Petition auf den Weg gebracht, um den Stallneubau in Gudensberg-Dorla zu verhindern. Bei allem Verständnis für die unternehmerischen Ideen des Einzelnen: Niemand kann sich über das Wohl der Allgemeinheit einfach hinwegsetzen.

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