Expertengespräch: Nordhessen im Wandel

Es werden immer mehr Ställe im Chattengau und in Nordhessen. Ist das nicht Sache der Landwirte? War das nicht schon immer so: Landwirtschaft und Tiermast? Nicht ganz. Denn früher wurden, einfach gesagt, so viele Tiere gehalten, wie man weitgehend Futter anbauen konnte.

Durch die Globalisierung der Märkte und entsprechende Investmentgesellschaften ist die Entwicklung aus dem Ruder gelaufen. Noch immer wird, wie in vielen anderen Bereichen auch, fast nur auf wirtschaftliche Gewinne geschaut. Umwelt, volkswirtschaftliche Schäden, kurz das Große Ganze, bleiben außen vor.

Das Verrückte ist: Tiere leiden, aber auch die Tiermäster stehen mit dem Rücken an der Wand. Die Milchkrise zeigt die Marschrichtung, und ebenso wird viel mehr Fleisch produziert als gegessen in Deutschland. Deshalb werden Hähnchen nach Asien und Milchpulver nach Afrika exportiert. Mit katastrophalen Folgen für die dortige Landwirtschaft. In Deutschland entstehen derweil „Landschaften“, die so keiner haben will: hoch belastetes Grundwasser, verseuchtes Kleinklima, ruinierte Böden. Alles mitten in Deutschland. Bald auch in Nordhessen?

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Am 7. Oktober 2016 um 20 Uhr (Haus an der Eder, Wabernerstraße 7) laden wir daher zu einem Podiumsgespräch mit Experten ein. „Nordhessen im Wandel – Wie die Massentierhaltung unsere Umwelt, Landschaft und Gesundheit beeinträchtigt“ ist das Thema. Fachleute aus der Praxis werden berichten und Fragen beantworten:

Dr. Markus Schimmelpfennig ist stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Kassel und Leiter Hygienische Dienste Gesundheitsamt Region Kassel. In dieser Funktion ist er mit dem Thema „multiresistene Keime“ beschäftigt. Diese früher sogenannten „Krankenhauskeime“ entstehen durch den massenhaften Einsatz von Antibiotika und fordern jährlich bis zu 40.000 Tote allein in Deutschland. Dies sind zehnmal mehr Menschenleben, als durch Verkehrsunfälle zu beklagen sind. Heute gilt als gesichert, dass diese Keime auch bei der Massentierhaltung entstehen.

Uwe Behrens, Sprecher des Landesnetzwerks Niedersachsen Bauernhöfe statt Agrarfabriken kann hautnah schildern, wie die Konzentration von immer mehr Ställen die Lebensqualität aller massiv verändert. In Fachkreisen ist längst bekannt, dass in weiten Teilen Niedersachsens „nichts mehr geht“. Auch darum scheint vielen Investoren (wie Plukon in Gudensberg) Nordhessen ein idealer Ausweichstandort.

Martin Häusling, in der Region wohlbekannt als „grüner Agrarexperte“, ist Mitglied des Europäischen Parlaments und dort u.a. Koordinator für die Grünen/EFA im Agrarausschuss (AGRI). Er weiß, wie sehr europäische Politik unsere regionale Landwirtschaft bestimmt und welche Lobbygruppen oft auf Kosten bäuerlicher Betriebe versuchen, die Interessen von Großinvestoren durchzusetzen. Er wird auch darauf eingehen, ob und wie kleinere Höfe aus dem Teufelskreis des „Wachsen statt weichen“ ausbrechen können.

Prof. Dr. Lutz Katzschner, Mitglied der Forschungsgruppe Umweltmeteorologie am Institut Urbane Entwicklungen der Universität Kassel, informiert über Emissionen im Zusammenhang mit der Massentierhaltung. Die industrielle Tierhaltung ist ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Treibhausgasen. Hat Nordhessen damit zukünftig einen traurigen vorderen Platz der Klimakiller-Regionen in Deutschland?

Moderiert wird der Abend (Ende ca. 22 Uhr) von unserem BI-Sprecher Andreas Grede, dem es ein Anliegen ist, Informationen und Zusammenhänge aufzuzeigen und bekannt zu machen. Denn es geht nicht um ein Schnitzel mehr oder weniger auf dem Speiseplan, sondern darum, eine mittel- und langfristige Entwicklung zu korrigieren: Für eine bäuerliche Landwirtschaft – gegen Agrarfabriken. Kurz: Es geht um nicht weniger als die Zukunft Nordhessens und die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.

Auch wenn Sie schon einiges in Sachen Ernährung und Tierhaltung wissen, an diesem Abend werden Sie sicher noch viel Neues erfahren. Bringen Sie Freunde, Verwandte und Bekannte mit. Der Eintritt ist frei.

 

Praktischer Hinweis: Entgegen unserer Ankündigung per Flugblatt darf auf dem Parkplatz des Lebensmitteldiscounters nicht geparkt werden. Parken auf beiden Seiten der Wabernerstraße ist aber möglich.