Die Milch macht´s

Das war ein schöner Slogan in den 1990iger Jahren: Die Milch macht´s. (Ein Spot von 1992) Heute müssen wir ergänzen: Die Milch macht´s vor. Leider. Und zwar dieses: Politiker, Investoren, Bauernverbandsvertreter und Molkereien begrüßen mittlerweile offen die „Marktbereinigung“ infolge der Milchkrise. Also das schöne alte Credo vom Wachsen statt Weichen. Oder anders gesagt: Den Übergang von der bäuerlichen zu einer industrialisierten Milchwirtschaft. Und diese MilchkuhIndustrie produziert dann weit über den Bedarf hinaus. Immer mehr, immer billiger. Keine 25 Cent mehr bekommen die Milchbauern, und das bei Produktionskosten von deutlich über 40 Cent.

Sind daran nur die geizgeilen Verbraucher schuld? Wird gerne gesagt, stimmt aber nicht. Natürlich nutzt der Einzelhandel das Überangebot aus und drückt erbarmungslos die Preise. Doch der Konzentrationsprozess im Molkereiwesen hat ganz andere Auswirkungen.

Die größte deutsche Molkerei heißt Deutsches Milchkontor (DMK). Weil der inländische Markt längst gesättigt ist, wird exportiert. Milchpulver wird im großen Stil in die sog. dritte Welt exportiert und richtet dort großen Schaden an. Das DMK erobert den Weltmarkt auf Kosten der Milchbauern. Wenn dabei die eigenen Mitglieder und Lieferanten pleite gehen, interessiert das die Manager, die gerne Global-Player sein wollen, nicht im Geringsten.

Deshalb ist diese „Milch-Politik“ ein Paradebeispiel, was Massentierhaltung bringt. Dem Verbraucher wird erzählt, dass es doch prima sei, wenn er „gut und günstig“ Fleisch in jeder Menge kaufen könne. Neben dem Tierleid und der Umweltzerstörung durch die Massentierhaltung wird aber nebenbei unser ländlicher Raum völlig umgekrempelt. Drastisch formuliert: In Deutschland entstehen Agrarindustrien, die auf Kosten der Tiere und Umwelt Massen produzieren, die dann weltweit verscherbelt werden. Und dabei noch die lokalen und regionalen Strukturen in den ärmeren Ländern in Asien und Afrika zerstören.

Wenn also argumentiert wird, die „moderne Intensivtierhaltung“ sei nun mal notwendig, weil die Weltbevölkerung ja wachse und ernährt werden müsse, ist das an Zynismus nicht zu überbieten.

Wer gegen diese unsinnige Entwicklung protestieren will, kann das mit dem Unterzeichnen einer Petition tun. Die Aktion Agrar hat sie aufgesetzt, Adressat ist der Bundeslandwirtschaftsminister. Hier geht’s zur Petition: https://www.aktion-agrar.de/hoefe-retten/