Kategorie-Archiv: Allgemein

Vom Nachbarn lernen…

Gudensberg-Dorla, Seigertshausen, Waldeck, überall schlucken Investoren die Köder, die der Geflügelgroßschlachthof Plukon auslegt. Die Gudensberger Niederlassung des niederländischen Konzern (Jahresumsatz ca. 1,4 Mrd. Euro) benötigt dringend Schlachttiere. Schon vor 3 Jahren überraschte der Geschäftsführer mit der Randbemerkung, man investiere gerne in Deutschland, da hier die Umweltauflagen nicht „so streng“ seien.

Agrarexperten sagen schon lange, dass Deutschland zur Schlachtbank Europas verkommen ist. Immer mehr wird für den Export produziert, deutsches Fleisch geht in 125 Länder weltweit. Die Belastung für Umwelt und Klima bleibt allerdings im Lande. Doch wen kümmerts? Jedenfalls nicht die Herren vom Deutschen Bauernverband mit ihrem willfährigen Sprachrohr Christian Schmidt (CSU, Bundeslandwirtschaftsminister).

Zurück in unsere Region. Während hier in Nordhessen noch die traditionellen Hähnchenställe gebaut werden, bricht Plukon in Holland schon zu neuen Ufern auf. Plukon fordert dort von seinen Lieferanten: Tierwohl, Offenstall mit verschiedenen Klimazonen, keine Masthybriden* und sogar Bio. Und das Geschäft boomt. Man ist damit schon an der Produktionsgrenze.

Die Bauern hier in Nordhessen investieren offensichtlich in ein Auslaufmodell. Oder fällt ihnen die Billig-Produktion für den Export zu? Man reibt sich die Augen. Doch die Scheinargumente der agrarindustriellen Lobby kommen immer noch an bei vielen Menschen – gerade und leider auch in der Kommunalpolitik.

*Masthybride sind Tiere, die speziell gezüchtet werden. Sie setzen extrem schnell Fleisch an und leiden oft daran: Ihr Knochenbau trägt nicht das hohe Körpergewicht, u.a. Athrose ist die Folge.

Foto auf Wikipedia

Mahnwache in Gudensberg-Dorla gegen neue Mastanlage

Am Samstag, dem 20. Mai protestierten 50 Tier- und UmweltschützerInnen vor einem Massentierstall in Gudensberg-Dorla. Hier soll eine zweite Mastanlage entstehen: 37.000 Hähnchen auf nur 1.900 m² Grundfläche. Damit dies nicht alles still und leise über die Bühne geht, sind wir mit BürgerInnen und Vertretern anderer BIs und Organisatoren aufmarschiert. Die Presse berichtet – u.a. die HNA online.

Weitere Fotos in unserer Galerie.

Mahnwache in Gudensberg-Dorla

Es ist ein Trauerspiel. Plukon wirbt und findet immer wieder Landwirte, die sich zu Lohnmästern machen lassen. Die Stadt Gudensberg ist dabei offensichtlich in der Zwickmühle, denn sie ist bekanntlich nicht ganz unbeteiligt an der Plukon-Story. Und so hat die Stadtverordnetenversammlung sich mehrheitlich (Ausnahme die Grünen und ein paar Enthaltungen) mal wieder den sogenannten Sachzwängen gebeugt und dem Bau einer Hähnchenmastanlage in Gudensberg-Dorla zugestimmt. Frei nach dem Motto: Da steht ja schon so ein Ding, dann fällt ein zweites gar nicht mehr so auf. Lageplan Stall Dorla-Anfahrt

Das sehen wir allerdings anders. Und rufen daher auf zu einer Mahnwache am Samstag, 20. Mai 2017 um 11 Uhr am bestehenden Stall. Anfahrt: Mit PKW von Gudensberg in Richtung Fritzlar auf der L 3150. Abzweig Richtung Dorla auf die K 80.

Bitte teilt unseren Aufruf auf Facebook und überall, wo Ihr sonst seid und kommt zahlreich. Wir wollen zumindest ein Zeichen setzen. Jeder Investor muss wissen: Solche Tierquäleinrichtungen lassen sich nicht still und heimlich ausmauscheln. Wer so einen Stall baut, weiß, was er tut. Und er macht sich moralisch schuldig. Auch wenn der Bauernverband das Gegenteil behauptet und Tiermäster gar noch zum Opfer machen will: Leidtragende sind immer die Tiere.

Also, wir sehen uns am Samstag. Bringt eure Freunde und Familie mit. Die Mahnwache ist angemeldet und somit völlig legal. Wir demonstrieren wütend aber gewaltfrei!

Verdrehen, vertuschen, lügen.

Was soll man noch sagen in diesen „postfaktischen“ Zeiten? Schon Jahre vor Trumps Lügenkampagne zeigte Plukon in Gudensberg, wie das geht. Im Dezember 2013 regte sich erheblicher Widerstand in der Bevölkerung gegen die Schlachthoferweiterung. Im Februar 2014 gab es dann die Großdemo mit über 600 Teilnehmern. Auch die überregionale Presse nahm Kenntnis.

Das war nun so gar nicht im Sinne des Bürgermeisters, der das ganze Projekt offenbar am liebsten geräuschlos abgewickelt hätte. Also musste schnell eine Redart gefunden werden. „Moderne Filteranlagen“ sollten in den Fokus gerückt werden.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung wurde mehr oder weniger aus Versehen im Nebensatz eine Zahl genannt, und damit war es raus: Plukon wollte seine Kapazität von täglich 125 to auf 250 to Schlachtgewicht verdoppeln. Und so geschah es.

160937669 -täuschen(1)Die Aussage des Konzerns selbst gegenüber der Presse war also von Anfang an eine reine Lüge. Wir zeigten das mit einer kleinen Collage auf unserer Facebookseite (siehe Foto).

Ebenfalls von Anfang an sagten wir: Plukon wird neue Ställe nach Nordhessen bringen. Dem wurde vom Geschäftsführer öffentlich widersprochen. Und? Schon im Herbst 2015 warb Plukon in Fritzlar um neue Vertragsmäster vor 130 Landwirten der Region. (HNA Artikel)

Wie wir wissen, haben sich einige Landwirte von den schönen Zahlenspielen verführen lassen. Rechnerisch sind allein wegen der Kapazitätserweiterung des Schlachthofs etwa 30 (dreißig!) neue Mastanlagen mit je 30.000 Tieren nötig.

Jeder einzelne Stall bringt nicht nur Tierleid (über 20 Hähnchen auf nur einem Quadratmeter der Stallfläche), sondern ist ein Puzzleteilchen für die Zerstörung unserer Landschaft und Natur. Mit bösen Folgen für die Menschen der Nachbarschaft und ganz Nordhessen.

Den (meisten) Gudensberger Stadtverordneten und ihrem Bürgermeister muss gesagt sein: Ihre kurzsichtigen Entscheidungen beeinflussen ganz Nordhessen. Ihre Tourismus-Werbung („Zu Gast in der Natur“) für den Chattengau wird zum Witz, denn mit stinkenden Ställen locken Sie ganz sicher keine Urlauber an. Doch ideologische Scheuklappen und auch Fehlentscheidungen vor der Plukonübernahme wegen der Köcher-Insolvenz haben Ihren Blick offenbar getrübt. Das schlimmste an Ihren Entscheidungen aber ist: Sie hätten es ganz sicher besser wissen können!

Der Stall vor meiner Tür – Nordhessen im Wandel

In über einjähriger Fleißarbeit haben Mitglieder der Bürgerinitiative Chattengau Stallanlagen im Schwalm-Eder-Kreis fotografisch dokumentiert. Ziel war zunächst eine Bestandsaufnahme. Es geht nicht darum, bäuerliche Betriebe in Misskredit zu bringen. Viele Höfe werden seit Generationen anständig bewirtschaftet.
17-59012-018_Handzettel_Ausstellung.inddFakt ist aber auch: U.a. durch den Geflügelgroßschlachthof in Gudensberg werden Landwirte weiterhin motiviert, neue Großställe zu bauen. Dies hat negative Folgen für den Landkreis: Umwelt und Natur werden belastet, Tiere nicht artgerecht gemästet und Menschen gesundheitlich gefährdet. Massentierhaltung hat zudem keine Zukunft: Immer mehr deutsches Fleisch geht ins Ausland. Doch die Märkte wackeln und sind instabil. China will z.B. seinen Fleischkonsum halbieren.

Die Ausstellung zeigt Details und Zusammenhänge der industriellen Tierhaltung:

  • Landschaftsveränderung durch Monokultur,
  • „Tierwohl“-Reklame und Wirklichkeit,
  • Gülle-Problematik,
  • globale Zusammenhänge,
  • die Märchen der Werbung aber auch alternative Haltungsformen.

Wir meinen: Nordhessische Landwirte dürfen nicht zum Spielball von oft internationalen Großinvestoren werden. Wir wollen keine industriellen Tierfabriken, sondern Landwirtschaft mit Zukunft!

Lesen Sie zum Thema bitte auch den nachfolgenden Beitrag „Fleisch für die Welt“?

„Fleisch für die Welt“? Neue Großställe verhindern!

Der Fleischkonsum in Deutschland ist seit 10 Jahren leicht rückläufig. Der Export, also die Ausfuhr von Fleisch aus Deutschland, hat sich dagegen verdreifacht! Wie kann so etwas sein? Eine Antwort liegt im globalisierten Markt. Wachstum um jeden Preis, Niedrigpreise für den Wettbewerb. Was so schön klingt in den Ohren von Wirtschaftsliberalen, hat viele Haken.

Opfer einer volkswirtschaftlich falschen Politik sind zuallererst die Landwirte – oder auch die Tiere, je nach Sichtweise. Weil die Preise am Fleischmarkt im Keller sind, wird immer mehr produziert. Billig ist das Zauberwort der Massentierhaltung. Die Europäische Union und auch die Bundesrepublik fördert diese Entwicklung indirekt und auch direkt durch Milliardenzuschüsse. Dennoch geht es den Landwirten schlecht, immer mehr Betriebe geben auf.

Doch die „Interessenvertretung“ der Landwirte, der Bauernverband, ist zu einem Lobbyverband der Agrarindustrie verkommen. Spitzenfunktionäre des Bauernverbands sind oft Großgrundbesitzer und sind meist auch an Firmen für Futtermittel, Dünger und/oder Landmaschinen beteiligt. Diese wiederum spielen eine zunehmende Rolle für globale Investmentfirmen. Und die setzen weder auf Tierschutz, Umwelt, Natur, Gesundheit… sondern eben auf Wachstum.

keine-Tierfabriken

Was das mit Nordhessen zu tun hat? Nun, unser Nachbarland Niedersachsen zeigt, wie es nicht sein sollte. Wer sich über die unmittelbaren Auswirkungen der Massentierhaltung informieren will, dem sei ein Ausflug in die Gegend um Cloppenburg empfohlen. Die Region gleicht einer Industriebrache. Großschlachthöfe reihen sich an Mastställe, die meisten Betriebe produzieren zu über 50 % für den Export.

In Gudensberg haben wir den Geflügelgroßschlachthof Plukon (ein niederländisches Unternehmen, das nach eigenen Aussagen wegen der niedrigeren Umweltauflagen gerne in Deutschland produziert!). Der Schlachthof braucht Tiere, genauer gesagt 100.000 Tiere pro Tag, 32 Millionen Tiere pro Jahr! Und so werben Plukon, Futtermittelhersteller (3best Geflügelfutter) und leider auch der Bauernverband für den Neubau von Geflügelställen.

Nordhessen wird damit langsam aber sicher zum Ausweichstandort für Niedersachsen, wo nichts mehr geht. Massentierhaltung, vom Bauernverband gerne „moderne Intensivtierhaltung“ genannt, hat weitreichende Folgen auch für Mensch und Natur: bereits jede 7. Grundwasserquelle in Hessen hat eine zu hohe Nitratbelastung, u.a. eine Folge der Unmegen von Gülle, die auf Äcker ausgebracht werden. Multiresistente Keime aus den Großställen werden zur gesundheitlichen Bedrohung. Schädliche Treibhausgase belasten das Klima.

Global gesehen ist der Export von deutschem Fleisch, meist nach Asien und Afrika, ein Skandal. Vielen regionalen Kleinbauern wird dort die Existenzgrundlage entzogen. Umgekehrt landet viel wertvolle Nahrung wie Soja und Mais aus Lateinamerika in den Futtertrögen unserer Ställe.

Irgendwo müssen wir anfangen, etwas zu verändern. Der ökologische Landbau boomt, die Nachfrage nach Bio ist größer als das Angebot. Dennoch wird den Landwirten eingeredet, sie müssten weiterhin wachsen, um noch billiger zu produzieren. Dies ist nicht zukunftsorientiert. Aktuell hat bspw. China erklärt, es wolle seinen Fleischkonsum halbieren.

Als Bürgerinitiative unterstützen wir die bäuerliche Landwirtschaft – und sagen Nein zu Großmastanlagen, die den Tieren Leid und den Menschen gesundheitliche Risikien bringen. Deshalb haben wir jetzt auch eine Petition auf den Weg gebracht, um den Stallneubau in Gudensberg-Dorla zu verhindern. Bei allem Verständnis für die unternehmerischen Ideen des Einzelnen: Niemand kann sich über das Wohl der Allgemeinheit einfach hinwegsetzen.

Unterstützen auch Sie unsere Petition bei change.org.

“Mon$anto is making us $ick”

Im Mai diesen Jahres protestierten Menschen weltweit in über 400 Städten gegen die Praktiken des Agrarkonzern Monsanto. Den wird sich die Bayer AG in Leverkusen nun für 66 Milliarden US-Dollar einverleiben und wird damit zum weltgrößten Agrarkonzern. Die Bayer AG wird übrigens zu über 30% von Blackrock gehalten, einem us-amerikanischen Investmentkonzern mit einer Bilanzsumme von über 4 Billionen US-Dollar (4 Billionen = 4.000 Milliarden = 4.000.000 Millionen $). Seit 1996 werden von Monsanto genmanipulierte Pflanzen vermarktet (Soja, Mais, Baumwolle), die gegen Glyphosat resistent sind, so dass auch nach der Aussaat noch gespritzt werden kann. Das massive Bienensterben wird u.a. auch auf Glyphosat zurückgeführt, weil es das Orientierungsverhalten der Bienen empfindlich stört.

Die große „Aufgabe der Welternährung“ sieht Bayer-Chef Werner Baumann im Hintergrund der größten Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Welch ein Zynismus: Letztlich geht es um die Macht der Lebensmittelerzeugung vom Acker bis auf den Teller des Verbrauchers. Ausführlich wird das beschrieben im Artikel von „Meine Landwirtschaft“ vom 15.9.2016.

Bekanntlich gibt es im Schwalm-Eder-Kreis ein Dorf, dass mit dem Widerstand gegen Monsantos Gen-Mais-Versuchen im Freiland sogar bundesweit für Aufsehen sorgte. In Wabern-Niedermöllrich sollte 2007 ein Freilandversuch starten, doch eine Bürgerinitiative verhinderte dies. Eine kurze Geschichte des Widerstands kann man in dem Bericht von 2008 lesen – ist immer noch / wieder aktuell.

Und was hat die Massentierhaltung mit dem Thema zu tun? Es ist leider so: wenn die Macht der Agrarkonzerne stetig wächst, wird der Verbraucher immer weiter entmündigt. Weltweit. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis zu 100% genmanipuliertes Tierfutter Auswirkungen haben wird, über die Nahrungsmittelkette, beim Verbraucher. Was tun? Widerstand und Protest zeigen: den örtlichen Politikern, in Diskussionsforen, unter Freunden und Bekannten, informieren, im Supermarkt Qualfleisch liegen lassen. Ein Konzernchef wie Herr Baumann von Bayer ist längst nicht mehr von dieser Welt. Er berauscht sich an Zahlen, an Macht, er will Geschichte schreiben.

Wir alle kennen dieses eine kleine Dorf in Gallien, das sich den Römern widersetzte. Noch näher liegt Niedermöllrich. Und noch näher liegt der Supermarkt vor unserer Tür…

Weitere Links:

Follow the Honey – not follow the Money.

Sogar die “Wirtschaftswoche” greift das Thema auf und berichtet über die europaweite Studie zum Bienensterben.

Sehr ausführlich und fundiert ist der Greenpeace-Report zum Thema „Bienensterben“.  (PDF)

Plädoyer für eine aktive Agrarstrukturpolitik durch Preis-Ausgleichszahlungen

Das Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V. hat jetzt ein sehr lesenswertes Paper vorgelegt, in dem fundiert die ewigen Leiern der offiziellen Politik („Marktselbstregulierung“) und Bauernverbände („Wachsen statt Weichen“) in Frage gestellt bzw. widerlegt werden. Im Vorwort heißt es:

„Die aktuelle Krise bei Milch und Schweinen macht es deutlich: Die Lage innerhalb der Landwirtschaft entwickelt sich dramatisch. In den vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft sind kleinere und mittlere Betriebe schon lange weitgehend verschwunden (Züchter, Molkereien, Schlachthöfe usw.). Mit viel Aufwand werden im Rahmen von Regionalentwicklungsprogrammen die wenigen verbliebenen erhalten oder wiederbelebt und Neugründungen unterstützt. Nun trifft es die Landwirtschaft in ihrer gesamten Breite mit voller Wucht. Viele Höfe machen dicht, ganz egal ob klein oder groß.“

Download der Arbeitsergebnisse als PDF

Ein wichtiger Schritt für Mensch und Tier

Das Baurecht ist eine verzwickte Angelegenheit. Oft undurchschaubar, wird das Thema in der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet. Bei der Schlachthoferweiterung von Plukon wurde das mal wieder schmerzlich bewusst, als Bürgermeister Börner entspannt den Protest vieler Bürger an sich abgleiten ließ und auf einen 5 Jahren alten (!) Aufstellungsbeschluss verwies, der ihm sozusagen die Hände binden würde. Ein Bürgerbegehren wurde so verhindert. Seinerzeit wurden innerhalb 36 Stunden bekanntlich genau 827 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Einwohnern gesammelt für ein Bürgerbegehren – die Wirkung verpuffte aber wegen formalrechtlicher Gründe.

Laying hens on a poultry factory

Seine Parteigenossin, Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD), ist da deutlich weiter. Auf einer Bürgerversammlung der nordrhein-westfälischen Gemeinde Mechernich sagte die Ministerin am 23.8.2016, dass sie die Priviligierung für den Bau von Massentierställen beenden wolle.

Wie funktioniert dieses priviligierte Baurecht? Wenn ein neuer Großstall errichtet werden soll und der Investor (Landwirt oder Unternehmen) Land besitzt (oder gepachtet hat), auf dem er theoretisch 50% des benötigten Tierfutters anbauen könnte, gilt der Stall als „landwirtschaftliche Tierhaltungsanlage“. Dann kann die Anlage – auch gegen die Widerstände der Bevölkerung, Anwohner oder sogar Gemeindeverwaltung – gebaut werden, auch ohne dass ein Bebauungsplan existiert.

Eine weitere, eigentlich unglaubliche Praxis ist es, einen Megastall in mehrere Ställe direkt nebeneinander aufzuteilen und damit eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu umgehen. Hendricks, Chefin im Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, begründet die geplanten Gesetzesänderungen mit, so meldet die taz am 24.8.29116, „den Belastungen, die von der Intensivtierhaltung ausgehen: Diese habe erheblichen Einfluss auf die Entstehung von Feinstaub und Treibhausgasen, auf die zunehmende Belastung der Umwelt durch übermäßige Stickstoffemissionen, Tierarzneimittel und Gerüche.“

Zu befürchten ist allerdings massiver Widerstand des Bauernverbands, der in einer ersten Reaktion von einer „Enteignung“ sprach. Und damit ist auch absehbar, wie Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) reagieren wird. Doch nicht nur viele Bürger, sondern auch Bürgermeister quer durch alle Parteien werden diesen Gesetzesentwurf begrüßen. Verschafft er ihnen möglicherweise doch endlich den Handlungsspielraum, der benötigt wird, um den ländlichen Raum angesichts des demographischen Wandels und dem Trend zur Landflucht wieder attraktiver zu machen.

Zum Vormerken: Am Freitag, 7. Oktober 2016 um 20 Uhr, veranstaltet die BI ein Podiumsgespräch mit hochkarätigen Experten in Fritzlar (Haus an der Eder, vormals Soldatenheim). Thema des Abends: Nordhessen im Wandel. Wie die Massentierhaltung unsere Umwelt, Landschaft und Gesundheit beeinträchtigt.